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Endlich war es wieder so weit, zum Saisonende stand mein Lieblingsrennen auf dem Programm: Der Brasil Ride. Technisch, wie konditionell eines der härtesten Etappenrennen überhaupt. In diesem Jahr hatte ich mit Daniel Gathof einen starken Partner gewinnen können und war sehr zuversichtlich, dass wir zusammen ein Top-Ergebnis einfahren können.

 

Leider musste Daniel nur eine Woche vor Rennbeginn seinen Start absagen und für mich begann die panische Suche nach einem Ersatzfahrer. In letzter Minute sprang der Schweizer Rick Reimann ein, sodass meine vierte Brasil Ride Teilnahme doch noch funktionierte.

 

 18.10.2015  | Mucuge | Brasil Ride Stage #1

 

An Tag 1 stand der 20km lange, sehr technische Prolog auf dem Programm.

 

Rick und ich starteten sehr schnell, hängten sofort unser Begleiterteam ab und sammelten weitere, vor uns gestartete Mannschaften ein. Vom Tempo harmonierte es perfekt, bis Rick im letzten Drittel etwas einbrach. Aufgrund der sehr knappen Zeitabstände reichte es für uns somit nur zu Rang 12. Für das Gesamtklassement nach 7 Tagen war das aber nicht entscheidend.

 

Der Etappensieg ging an das Team meines früheren Brasil Ride Partners Lukas Kaufmann, worüber ich mich sehr freute.

 

 

 

 

 

 

 

 

 19.10.2015  | Mucuge | Brasil Ride Stage #2

 

Einen Tag später stand die Königsetappe auf dem Programm: 4 Uhr aufstehen, 6 Uhr Start, 145 Kilometer, inklusive des berüchtigten Vietnam-Trails, auf dem man fast nicht vorwärts kommt.

 

Während der ersten 30 schnellen Kilometer hielten wir uns weit vorn im Feld auf und hatten keine Probleme, dem Tempo der Spitze zu folgen. Als das Profil schwerer und die Temperaturen höher wurden, musste Rick etwas rausnehmen und wir etablierten und um Rang 12. In der zweiten Hälfte des knapp 7h langen Rennens waren wir zwar nicht schnell, dafür aber konstant unterwegs und konnten uns so immerhin noch auf Platz 8 nach vorn schieben.

 

Ich war überrascht, dass ich ohne Einbruch durchgekommen bin, obwohl ich im Vorfeld keine langen Einheiten trainiert hatte. Die Form war viel besser, als erwartet und ließ hoffen für die kommenden Tage.

 

 

 

 

 20.10.2015  | Mucuge | Brasil Ride Stage #3

 

Nach der extrem schweren Königsetappe folgte ein etwas leichterer Tag: Das Cross Country Rennen. Wobei leicht relativ ist, denn der hammerharte Kurs übertraf sämtliche Weltcupstrecken, die ich kenne, sowohl technisch, als auch konditionell um Längen. Auch wir schnellen Fahrer mussten längere Passagen schieben, der Rest war grenzwertig fahrbar und nicht ungefährlich. Die große Zahl der Hobby-Fahrer hatte somit einen langen Fußmarsch vor sich.

 

Im 30km langen XCO-Rennen war man nicht an seinen Partner gebunden, jeder konnte sein Tempo fahren. Ich hatte erneut gute Beine und hielt mich zeitweise auf Platz 6. Als mir in der Schlussphase das Wasser ausging, wurde ich etwas langsamer und fiel noch auf Platz 8 zurück. Dennoch ein Super-Ergebnis, denn ich konnte noch zahlreiche Top-Fahrer hinter mir lassen.

Als Tagesfahrzeit wurde die Durchschnittszeit beider Fahrer gebildet. Da bei vielen Teams ein Fahrer schwächelte, reichte es für uns sogar zu Rang 5. Gesamt blieb es bei Rang 8.

 

 

 21.10.2015  | Mucuge | Brasil Ride Stage #4

 

Auf der vierten Etappe über 85km hielten wir uns zu Beginn problemlos mit einem anderen Team um Platz 3.

 

Je heißer es wurde, desto mehr Schwierigkeiten bekam Rick. Dazu kam, dass die Feedzones an diesem Tag teilweise zu weit auseinander lagen, sodass wir mehrere Kilometer völlig trocken fahren mussten. Im langen, steilen Aufstieg zum höchsten Punkt des Brasil Ride verloren wir viel Zeit und Plätze.

 

Auch wenn wir in den technischen Passagen wieder etwas nach vorn kamen, reichte es an diesem Tag nur zu Rang 11. In der Gesamtwertung ging es somit auch einen Platz zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 22.10.2015  | Mucuge | Brasil Ride Stage #5

 

Etappe Nummer 5 wurde im Briefing als leichteste Station angekündigt. Verglichen mit den anderen Etappen könnte man das eventuell so stehen lassen, nach europäischen Maßstäben war es aber immernoch Hardcore.

 

Die ersten 40 von 95km waren komplett schwere Trails, verblockt, sandig und langsam. Genau das richtige für Rick und mich als gute Techniker. Ohne es geplant zu haben, lagen wir recht schnell allein auf Position 2 und waren überrascht, dass uns niemand folgen konnte. Rick schien sich vom Vortag gut erholt zu haben und fuhr wirklich sehr stark. Als wir an den Feedzones bei Kilometer 39 und 60 unsere Fahrt fortsetzten, war weit und breit kein Verfolgerteam zu sehen. Konnte uns heute tatsächlich die große Überraschung gelingen?

 

Leider sollte uns der heißeste Tag erwarten, die Temperaturen stiegen auf über 45 Grad. Was bedeutete, dass Rick wieder Probleme bekam. Bei Kilometer 70 wurden wir von einem Team eingeholt, was ich zunächst gut fand, da ich nicht mehr allein die Führungsarbeit machen musste. Leider war das Tempo zu hoch und auch die nächsten Gruppen konnten wir nicht mehr halten. Am 10km langen, kochend heißen Asphalt-Schlussanstieg fuhr Rick bereits Schlängellinie. Ich schob ihn, so gut ich konnte, doch am Ende reichte es nur zu Platz 7. An sich kein schlechtes Ergebnis, doch nachdem wir stundenlang auf Podiumskurs lagen, saß die Enttäuschung tief.

 

 

 23.10.2015  | Mucuge | Brasil Ride Stage #6

 

Am vorletzten Tag stand die zweite Hammer-Etappe auf dem Programm: 143km, nicht ganz so technisch, wie an Tag 2, aber erneut sehr lang und bergig.

 

Nach einem Kraftakt zu Beginn schafften wir es in die erste große Gruppe um Platz 2 und fuhren dort rund 50km gut mit. Dann wurde es wieder warm, was erneut zu bekannten Problemen führte. Bis ins Ziel war es noch extrem weit und ich wollte unbedingt die Gruppen halten, um nicht so viel arbeiten zu müssen. Einige Male konnte ich Rick nochmal ans Ende der Gruppe schieben, doch irgendwann war es vorbei.

 

Ich wusste, dass alle guten Teams vor uns lagen und von hinten keiner mehr kommen würde. Somit war klar, dass mir jetzt 80km Anschieben und im Wind fahren bevor standen, was ich eigentlich vermeiden wollte.

 

Nach 7 physisch und psychisch extrem harten Stunden erreichten wir abgekämpft das Ziel auf Platz 11, in der Gesamtwertung verteidigten wir knapp den 8. Platz.

 

 

 24.10.2015  | Mucuge | Brasil Ride Stage #7

 

Zum Finale gab es nochmal 79 Kilometer im Cross Country Modus. Von Beginn an gingen permanent Attacken und das Tempo war sehr hoch. Rick und ich hielten uns aufmerksam sehr weit vorn im Feld auf.

 

Im ersten Trail ließ ein Fahrer direkt vor uns abreißen, doch auf den folgenden Kilometern konnte ich die Lücke zur Spitze noch einmal schließen. Im zweiten, wunderschönen und schier endlosen Trail riss das Feld dann endgültig auseinander. Wir lagen zusammen mit zwei weiteren Teams um Platz 7. Die Abstände nach vorn waren gering, doch ein Rankommen war nicht mehr möglich. Nach nur 3h Fahrzeit erreichten wir das Ziel als 9. Zu Platz 6 fehlte uns nur eine halbe Minute.

 

Leider reichte unser knapper Vorsprung in der Gesamtwertung nicht ganz aus, um Platz 8 zu halten.

 

Mit dem 9. Rang bekamen wir aber immerhin noch 50 Weltranglistenpunkte und ein paar Euro Preisgeld. Und was das wichtigste ist: Wir sind gesund und sturzfrei durchgekommen, hatten keine Defekte, aber viel Spaß.

 

 

Natürlich hätte ich mir vom Ergebnis mehr erhofft. Ich hatte eine stärkere Form, als je zuvor beim Brasil Ride und konnte sie nicht so richtig nutzen. Aber ich weiß, dass Rick jeden Tag alles gegeben hat und sein spontanes Einspringen keine gezielte Vorbereitung zuließ. Ich bin froh, dass wir überhaupt fahren konnten. Vielen Dank, Rick, dass du mitgekommen bist und für die tolle Zeit :).

 

Ich freue mich schon jetzt aufs nächste Jahr, hoffentlich wieder mit so toller Form und noch etwas weiter vorne.

 

Fotos: Armin M. Küstenbrück/ EGO-Promotion


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